Calming Signals

Wenn du mit den Tieren sprichst, werden sie mit dir sprechen, und ihr werdet euch kennenlernen.

Wenn du nicht mit ihnen sprichst, dann werdet ihr euch nie kennenlernen.

Was du nicht kennst, wirst du fürchten.

Was du fürchtest, zerstörst du.

Häuptling Dan George

 

Calming signals ist der Begriff für Beschwichtigungssignale/Gesten, die unsere Hunde einsetzen, um im täglichen Miteinander keine Aggressionen aufkommen zu lassen und Konflikte zu vermeiden.

Viele dieser Signale werden instinktiv eingesetzt, bereits Welpen beherrschen das erste wichtige Signal: das Gähnen. Es ist wichtig, dass bereits der Welpe viel Kontakt zu anderen Hunden hat, um seine Signale ausprobieren zu können, damit er sie später sicher und gut einsetzen kann. Das Einüben des Sozialverhaltens und die Gewöhnung an Umweltreize sind für einen Welpen die wichtigste Grundlage für sein gesamtes späteres Leben.

Daher ist es auch für uns Menschen so wichtig diese Beschwichtigungssignale zu erkennen und zu deuten  - und darauf zu reagieren. Mach keinen " sprachlosen " Hund aus deinem Welpen.

Ein Welpe ist wie ein Kleinkind, das mit Geduld und Verständnis an neue Aufgaben herangeführt wird. Versteht das Kind nicht, was wir von ihm verlangen, wird es uns das durch Sprache und/oder Körpersprache mitteilen. Ein Hund kann sich nur über die Körpersprache mitteilen, wird diese immer wieder von uns ignoriert und der Hund vielleicht auch noch bestraft, resigniert er irgendwann. Die Folge kann sein : Ein passiver Hund, der sich nicht traut Neues auszuprobieren, oder ein gestresster Hund ,der durch seine Unsicherheit z.B. viel kläfft, Angst vor Geräuschen, Menschen und anderen Hunden entwickelt und Aggressivität aufbaut.

Hunde haben bei der Erziehung ihrer Welpen keine Probleme, denn sie verstehen deren Sprache und reagieren darauf. Die Beschwichtigungssignale sind der Schlüssel zum Verständnis deines Hundes. Wenn zwischen uns und dem Hund Konflikte entstehen, liegt der Fehler meistens bei uns. Lerne die Beschwichtigungssignale kennen und beobachte deinen Hund. Mit etwas Training wirst du auch kleine Signale erkennen und richtig deuten - für ein harmonisches und möglichst stressfreies Miteinander!

Ein paar Beispiele für Calming signals:

 

Das Gähnen: 

Auch wir kennen das, man fühlt sich müde, gestresst oder angespannt- die Reaktion - ein Gähnen.  Bei den Hunden wird das Gähnen zur Beschwichtigung eingesetzt, versuch es doch mal: Tobe mit deinem Hund, - wenn er sehr wild ist, - unterbreche das Spiel und gähne ein paar Mal. Er müsste sich dann sehr schnell beruhigen.

 

Das Hinlegen:

Wenn zwei Hunde miteinander spielen und einem von beiden wird es zuviel, wird er sich hinlegen um das Spiel zu beenden. Es ist außerdem ein Zeichen um einem Schwächeren zu zeigen, komm ruhig näher, ich bin friedlich.

 

Das Pfote heben:

Ist auch ein Beschwichtigungssignal, das allerdings nicht sehr häufig eingesetzt wird.

 

Das Hinsetzen:

Kann signalisieren: nicht so stürmisch, komm langsam näher, oder aus der anderen Sicht, komm ruhig näher, ich tue dir nichts.

 

Das Kratzen:

Dieses Signal kennt bestimmt jeder Hundebesitzer und deutet es oft falsch. Eine bekannte Situation: Der Hund wird gerufen, reagiert aber nicht auf den ersten Ruf, weil er mit anderen interessanten Dingen beschäftigt ist. Der zweite Ruf klingt dann meist schon etwas ungehalten, was der Hund natürlich sofort wahrnimmt - seine Reaktion- Versuch der Beschwichtigung durch das Kratzen.

 

Das Schnüffeln:

Auch dieses Beschwichtigungszeichen könnte der Hund bei oben genanntem Beispiel einsetzen. Auch bei Begegnungen mit Artgenossen, die er nicht richtig einschätzen kann, sieht man oft dieses Verhalten- der Hund dreht sich weg und beginnt intensiv zu schnüffeln.

 

Das Lefzenlecken:

Ein oft eingesetztes Beschwichtigungssignal meines Hundes beim Tierarztbesuch. Das Festhalten auf dem Tisch und die unmittelbare Nähe des Tierarztes sind ihm unangenehm.

 

Mach deinem Hund den Anfang der Ausbildung leichter, indem du selber Beschwichtigungssignale einsetzt:

 Bei Sitz- und Platzübungen nicht über den Hund beugen, sondern in die Hocke gehen und nur eine Körperseite zuwenden.

Dem abgerufenen Hund nicht entgegenbeugen, sondern aufrecht stehen, evtl. eine Körperseite zuwenden oder in die Hocke gehen.

Du willst deinen Hund aus der Platzablage abholen? Dann gehe im Bogen langsam auf ihn zu. Das vermittelt ihm, dass deine Absichten freundlich sind.

Ich denke "Hundisch" ist eine Fremdsprache, die sich zu lernen lohnt. Schließlich hat jedes Familienmitglied, egal ob zwei- oder vierbeinig, ein Recht auf Verständnis.

Am Schluss noch ein Buchtipp: Calming-Signals, Die Beschwichtigungssignale der Hunde, von Turid Rugaas

Dort werden die Beschwichtigungssignale erklärt und auch einige Geschichten von Hunden erzählt.

 

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